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Der Duft und die Zahlen

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Der Duft und die Zahlen

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Im Labor am Stadtrand riecht es an manchen Tagen nach Lavendel, an anderen so ätzend, dass die Fenster den ganzen Vormittag offen bleiben. Rahel Stucki untersucht ätherische Öle, genauer: die Frage, warum zwei Pflanzen mit grosser Ähnlichkeit im Duft chemisch kaum miteinander verwandt sind.

Ihr Team arbeitet vorwiegend mit Proben aus dem Tessin. Heikel ist vor allem die Verknüpfung von chemischer Analyse und Geruchstest, denn was Menschen wahrnehmen, lässt sich nur schwer in Zahlen fassen. Häufig sind zwei Spektren überlagert, und die Linien des einen Stoffes verschwinden unter denen des anderen.

Trotzdem gilt das Projekt als vielversprechend. Stucki möchte voraussagen können, welche Mischung Menschen als angenehm empfinden — ein Anspruch, den mancher Kollege für zweifelhaft hält, zumal die Versuchsgruppen klein bleiben.

Angenehm ist ein Werturteil“, sagt einer der Gutachter im Fachgespräch. „Ihre Daten widerspiegeln die Vorlieben von achtzig Studierenden aus Zürich, nicht die Wahrnehmung der halben Welt.“ Ob die Ergebnisse auf andere Länder übertragbar seien, sei damit keineswegs geklärt.

Stucki widerspricht nur zum Teil. Sie räumt ein, dass ihr Vorgehen den vorausgehenden Arbeiten ihres Doktorvaters weitgehend folgt und dass die Frage, welches Modell man einer solchen Studie zugrunde legen darf, offenbleibt. Ihre Methode sei dennoch verifizierbar: jeder Schritt dokumentiert, jede Probe archiviert, jede Auswertung im Netz einsehbar.

Der Wissensstand ändere sich ohnehin schneller, als Aussenstehende glaubten, sagt sie zum Schluss. Was heute als gesichert gelte, sei in zehn Jahren vielleicht nur noch eine Fussnote. Genau darin sieht sie keinen Mangel, sondern den eigentlichen Sinn ihrer Arbeit.

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