Dass sich Berufe verändern, ist unbestritten. Umstritten ist, wer für die Anpassung zuständig ist: die Person, die ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt erhalten will, oder der Betrieb, der geschulte Leute braucht.
In der Praxis entsteht eine Lücke. Unternehmen investieren am liebsten in Mitarbeitende, die bleiben, und am meisten in jene, die schon gut qualifiziert sind. Wer eine einfache Tätigkeit ausübt und älter ist, erhält am wenigsten Weiterbildung – obwohl gerade dort die Stellen wegfallen.
Der Staat versucht, diese Lücke zu schliessen. Es gibt Beiträge an Kurse, Abzüge bei den Steuern und Programme für Personen ohne Abschluss. Die Angebote sind vorhanden, aber unübersichtlich, und wer wenig gelernt hat, findet sich in Formularen am schlechtesten zurecht.
Ein Betrieb in der Ostschweiz hat darum einen anderen Weg gewählt. Jede Mitarbeiterin führt ein Gespräch über ihre Aufgaben in fünf Jahren, und aus diesem Gespräch folgt eine konkrete Massnahme – ein Kurs, ein Wechsel, ein Projekt.
Die Wirkung war nicht nur fachlich. Die Kündigungen gingen zurück, weil viele erstmals eine Vorstellung davon hatten, wohin sie im Betrieb gehen könnten. Weiterbildung wirkte als Bindung, nicht als Vorbereitung auf den Abschied.
Die ehrliche Antwort auf die Ausgangsfrage lautet deshalb: beide. Der Betrieb trägt die Zeit und einen Teil der Kosten, die Person trägt die Anstrengung – und der Staat sorgt dafür, dass Angebote auch dort ankommen, wo niemand danach fragt.