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Sonntag am Seeufer

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Sonntag am Seeufer

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Reisen261 kelime~3 dk4 soru

Seit ein Foto unserer Brücke im Netz kursiert, ist das Dorf ein Anziehungspunkt geworden. An schönen Sonntagen stehen die Autos von der Ausfahrt der Autobahn bis zur Ampel am Kirchplatz, und wer hier wohnt, kommt kaum noch in die eigene Einfahrt.

Die Gemeinde hat reagiert. Die Gasse hinter der Kirche ist heute eine Einbahnstrasse, die Uferstrasse einspurig, und ein Automat am Parkplatz verkauft Tageskarten. An der zweiten Ecke muss man links abbiegen; wer geradeaus fährt, landet auf einer Fahrbahn, die vor einem Bauernhof endet. Wer mit dem Fahrrad kommt, stellt es gratis ab.

Am liebsten wäre uns, die Leute kämen mit der Eisenbahn. Die Entfernung nach Zürich beträgt knapp fünfzig Kilometer, der Bahnhof ist acht Minuten zu Fuss entfernt, und eine Fahrkarte kostet weniger als ein Parkplatz. Trotzdem wollen die wenigsten in den Zug einsteigen.

Das Boot wäre ohnehin die schönere Variante. Um 18.40 Uhr muss es abfahren, sonst verpassen die Gäste den Anschluss; bei Sturm bleibt es draussen und muss vor der Bucht ankern. Eine Durchsage kündigt die Ankunft an, und stattbitte anschnallenheisst es nur: nicht auf die Reling setzen.

Die meisten Ausflügler besichtigen die Kapelle, kaufen ein Andenken aus Holz und sind nach zwei Stunden wieder weg. Auf dem Camping am Waldrand dagegen bleiben manche eine Woche und kennen am Ende die Namen der Nachbarn. Für sie ist der See kein Ausflugsziel, sondern eine Adresse.

Ein Dorf kann berühmt sein für seine Aussicht und trotzdem ein Dorf bleiben. Allerdings nur dann, wenn die Gäste nicht bloss ankommen wollen, sondern auch bereit sind, einen Moment länger zu bleiben.

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