Wasserkraft liefert den grössten Teil des schweizerischen Stroms und gilt als erneuerbar. Erneuerbar heisst jedoch nicht folgenlos: Ein Kraftwerk verändert einen Fluss, sein Geschiebe, seine Temperatur und die Wege der Fische.
Um diesen Eingriff zu begrenzen, gibt es Vorschriften zur Restwassermenge. Sie legen fest, wie viel Wasser im Flussbett bleiben muss, auch wenn es in der Turbine mehr Strom brächte. Jede Konzessionserneuerung ist darum eine Verhandlung zwischen Energie und Ökologie.
Neu ist der Druck durch den Winter. Weil Sonne und Wind im Winter weniger liefern, gewinnen Speicherseen an Bedeutung: Sie halten Energie über Monate, was Batterien nicht können. Vorgeschlagen werden höhere Staumauern, was Gebiete überflutet, die heute Alpweide sind.
Gleichzeitig verändert der Gletscherschwund die Grundlage. Kurzfristig fliesst mehr Wasser, langfristig weniger und zu anderen Zeiten. Wo Gletscher zurückweichen, entstehen Seen, die als Speicher genutzt werden könnten – ein Gewinn aus einem Verlust.
Bemerkenswert ist der Zeithorizont dieser Anlagen. Eine Staumauer steht hundert Jahre. Entscheide über ihren Bau fallen mit Annahmen über Klima, Strompreise und Verbrauch, die schon in zwanzig Jahren anders aussehen.
Wasserkraft bleibt damit das Rückgrat der Versorgung, aber sie ist keine unberührte Natur. Sie ist eine Landschaft, die vor langer Zeit umgebaut wurde – und über deren nächsten Umbau nun wieder entschieden werden muss.