In den meisten Kantonen lernen Kinder ab der dritten Klasse Englisch und ab der fünften Französisch, in der Westschweiz umgekehrt. Kaum ein Bildungsthema wird so hitzig diskutiert, weil es zwei Dinge berührt: Lernbelastung und den Zusammenhalt eines viersprachigen Landes.
Das Argument der Gegner ist praktisch. Manche Kinder kämpfen mit der Schulsprache, und zwei weitere Sprachen würden sie überfordern. Studien zur Wirkung sind nicht eindeutig: Der Vorsprung aus dem frühen Beginn verringert sich in der Sekundarschule.
Das Argument der Befürworter ist staatspolitisch. Wer eine Landessprache der anderen Region nie gelernt hat, wird sie kaum je lernen, und ein Land, dessen Teile nur über Englisch miteinander sprechen, verliert etwas, das sich nicht in Prüfungsnoten messen lässt.
Erfahrung in der Praxis weist auf die Methode. Frühes Sprachenlernen wirkt, wenn es viel Kontakt und wenig Grammatik enthält: Lieder, Geschichten, Spiele, Fachunterricht in der Fremdsprache. Wer mit zehn Jahren Tabellen ausfüllt, verliert die Sprache und die Lust gleichzeitig.
Ein pragmatischer Mittelweg existiert bereits. Einige Kantone entlasten Kinder mit Schwierigkeiten in der Schulsprache, statt die zweite Fremdsprache für alle zu streichen, und setzen auf Austausch: zwei Wochen in der anderen Sprachregion statt zwanzig Lektionen Grammatik.
Die Debatte wird weitergehen, denn sie ist im Kern keine didaktische. Sie fragt, wie viel Aufwand ein Land bereit ist zu tragen, um sich selbst verstehen zu können.