In den Sammlungen europäischer Museen liegen Objekte, deren Weg ins Depot nicht dokumentiert ist. Ein Teil wurde gekauft, ein Teil geschenkt, ein Teil in Zeiten mitgenommen, in denen niemand nach einer Erlaubnis fragte.
Die Provenienzforschung versucht, diese Wege zu rekonstruieren. Sie arbeitet mit Inventarlisten, Briefen, Fotografien und Zollpapieren. Oft endet eine Spur in einer Lücke, und genau diese Lücken sind heute Gegenstand von Verhandlungen.
Zwei Fälle stehen im Vordergrund. Erstens Werke, die Verfolgten während der nationalsozialistischen Zeit abgepresst wurden. Zweitens Objekte aus kolonialen Zusammenhängen. In beiden Fällen ist die rechtliche Lage unklar und die moralische Frage eindeutiger.
Die Praxis hat sich verändert. Museen veröffentlichen Bestände, laden Forschende aus den Herkunftsländern ein und geben Objekte zurück – manchmal physisch, manchmal als Übertragung des Eigentums mit Verbleib als Leihgabe.
Kritik kommt aus zwei Richtungen. Manche warnen vor dem Verlust von Sammlungen, die Zusammenhänge zeigen. Andere halten Rückgaben für zu langsam und zu selektiv, weil meist nur spektakuläre Einzelstücke behandelt werden, nicht ganze Bestände.
Was sich unabhängig davon verändert hat, ist die Rolle des Museums. Es ist kein neutraler Ort mehr, der Dinge aufbewahrt, sondern ein Beteiligter, der erklären muss, wie er zu ihnen kam.