Auf dem Hügel über dem Dorf liegt ein ehemaliger Stützpunkt der Armee: Betonwege, ein Funkturm, Reste von Stacheldraht. Seit dem Frühjahr wird dort eine Ausstellung gezeigt, die an die Verfassung des Landes erinnert und an die Jahrzehnte, in denen man hinter jedem Fremden einen Spion vermutete.
Kuratiert hat sie eine Historikerin, die ihre Arbeit bewusst in der Gegenwart verortet. In einer Vitrine hängt das Fahndungsplakat eines Terroristen aus den siebziger Jahren. Wer eine totalitäre Ordnung erlebt habe, sagt sie, verwechsle Tyrannei nicht mit Strenge; die Verfassung sei nüchtern und säkular formuliert, und genau das mache sie stark.
Umstritten ist weniger die Ausstellung als das Gelände. Das Umweltministerium möchte den Hügel unter Schutz stellen, die Gemeinde möchte bauen. Der Vorsitzende der Kommission wirbt seit Monaten für eine tragfähige Übereinkunft, doch die Parteien sind zerstritten, und der Ton kann sich zuspitzen, sobald das Wort Bauzone fällt.
Die Gemeinde wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, sie wolle ihre Geschichte zubetonieren. Es sei widersinnig, ein Dorf zu schützen und ihm zugleich jede Entwicklung zu nehmen. Die Gegenseite wiederum spricht von Verschleierung: Erst werde ein wegweisendes Schutzkonzept gelobt, dann verschwinde es in einer Schublade.
Wirklich souverän wirkt in dieser Lage niemand. Ob die Stimmberechtigten den Gemeindepräsidenten im Herbst wiederwählen, ist offen; die Verdrossenheit ist mit Händen zu greifen, und an den Stammtischen heisst es, es ändere sich ohnehin nichts.
In einem Punkt allerdings herrscht Übereinstimmung: Der Hügel darf nicht verfallen. Vielleicht ist es gerade dieser Satz, der ein gespaltenes Dorf wieder vereinigen kann. Der Stützpunkt, einst ein Symbol der Angst, bekäme damit endlich eine andere Bedeutung.