Die Aula sieht an diesem Morgen aus wie ein kleiner Campus. An zwanzig Tischen stellen Betriebe, Hochschulen und ein Bildungswerk aus der Nachbarstadt ihre Angebote vor. Die Berufsorientierungsmesse gehört seit Jahren zum Programm der Abschlussklassen, und wer hindurchgeht, sammelt mehr Broschüren ein, als er je lesen wird.
Lena hält einen Bleistift über einen Zettel, auf dem sie die Stände abhakt. Ihr Abitur wird sie im Mai absolvieren; ihre letzte Note in Chemie war befriedigend, was sie weniger stört als ihre Eltern. Vom Abschlussball und von der Abschlussfahrt redet die Klasse ohnehin längst mehr als vom Unterricht.
Lena überlegt, ein Brückenjahr einzulegen, bevor sie sich für einen akademisch geprägten Weg entscheidet. Ihre Mutter nennt das ein verlorenes Jahr. Lena antwortet argumentativ: Wer ein Studium beginnt und es nach zwei Semestern abbrechen muss, verliert mehr Zeit als jemand, der vorher gearbeitet hat.
Der Mann am Stand für Berufsorientierung erklärt es anschaulich. Er zeigt eine Abbildung mit zwei Linien und sagt, diese Darstellung sei vereinfacht, aber ehrlich: Umwege kosten Geld, Fehlstarts kosten mehr. Die Anmeldegebühr für den Beratungstag betrage dreissig Franken und werde bei einer Zusage angerechnet.
Am Nebentisch wirbt das Bildungswerk für Abendkurse. Wer sein Schulgriechisch auffrischen wolle, fange wieder beim Alphabet an; wer dort jeden Buchstaben einzeln aussprechen müsse, komme zwar langsam voran, an der Aussprache aber scheitere kaum jemand. Ein Mann, der sich selbst als Autodidakt charakterisieren würde, lacht dazu.
Auf dem Rückweg sagt Lena, von dieser einen Frage lasse sie sich nicht länger ablenken. Ihr Klassenlehrer habe recht gehabt: Wer Umwege verteidigt, kann kaum beliebt sein bei Eltern, die schnelle Abschlüsse erwarten. Trotzdem, sagt sie, bleibe ein Umweg immer noch ein Weg.