Das Bauwesen verbraucht mehr Material als jeder andere Wirtschaftszweig und erzeugt den grössten Teil des Abfalls. Ein Abriss produziert in wenigen Tagen Tonnen von Beton, Holz, Metall und Dämmstoff – Material, das einmal sorgfältig ausgewählt wurde.
Kreislaufwirtschaft bedeutet hier zuerst etwas Unspektakuläres: nicht abreissen. Ein Umbau erhält die graue Energie, die im bestehenden Bau steckt. Rechnet man diese Energie mit, ist eine sanierte Liegenschaft einem Neubau meist überlegen, selbst wenn dieser besser gedämmt ist.
Wo ein Abriss unvermeidlich ist, geht es um Trennung. Sortenrein zurückgebaute Materialien lassen sich wiederverwenden, gemischter Bauschutt nicht. Einige Betriebe führen inzwischen Kataloge über Bauteile aus Rückbauten: Türen, Träger, Fenster, Waschbecken.
Die Hürden sind selten technisch. Ein wiederverwendetes Bauteil braucht einen Nachweis, eine Versicherung will Garantien, und ein Zeitplan verträgt keine Suche nach vierzig gleichen Fenstern. Neues Material ist vor allem planbarer.
Öffentliche Bauherren können das ändern, weil sie ausschreiben. Wer in der Ausschreibung Wiederverwendung verlangt und dafür Zeit einräumt, verändert einen Markt – deutlich wirksamer als jede Broschüre.
Am Ende ist Kreislaufwirtschaft weniger eine Technik als eine Buchhaltung. Sie zählt zusammen, was vorher getrennt gerechnet wurde: das Material, die Energie seiner Herstellung und die Kosten seiner Entsorgung.