Lärm gilt als Belästigung, ist aber ein Gesundheitsrisiko. Dauerhafte Belastung erhöht den Blutdruck, stört den Schlaf und wirkt auf das Herz – auch dann, wenn die betroffene Person angibt, sich daran gewöhnt zu haben. Der Körper gewöhnt sich nicht.
Am stärksten betroffen sind Wohnungen an Hauptstrassen, und dort wohnen im Durchschnitt Menschen mit tieferen Einkommen. Ruhe ist damit ein Gut, das sich verteilt wie Wohnlage und Preis: Wer zahlen kann, kauft Abstand.
Technisch ist viel möglich. Leisere Strassenbeläge, Tempo dreissig in Quartieren, Fenster mit Schalldämmung, Nachtruhe im Güterverkehr. Diese Massnahmen wirken messbar, sind aber teuer und verlangen Entscheide, die einzelnen Gruppen Nachteile bringen.
Beim Fluglärm zeigt sich ein zusätzliches Muster. Betroffene wehren sich, Profitierende leben weiter weg, und die Diskussion verschiebt sich schnell auf Arbeitsplätze. Solche Konflikte sind nicht lösbar, sondern nur regelbar – über Zeiten, Routen und Entschädigungen.
Wenig beachtet wird der Lärm innerhalb von Gebäuden. Offene Büros erhöhen die Fehlerzahl bei anspruchsvollen Aufgaben. Einige Betriebe haben darum Ruheräume eingerichtet, was mehr bringt als jedes Seminar über Konzentration.
Ruhe ist deshalb keine romantische Kategorie. Sie ist eine Infrastruktur, die geplant werden muss wie Wasser und Strom – nur merkt man ihren Wert erst, wenn sie fehlt, und dann ist gebaut.