Wer über die Umwelt schreibt, greift schnell zu grossen Wörtern. Die Lage sei katastrophal, die Folgen verheerend, die Bilder apokalyptisch. Hans Brändli, 64, Landwirt im Thurgau, hört solche Sätze im Radio und dreht es leiser.
Seine Sorgen sind kleiner und näher. Nach dem anhaltenden Trockensommer musste er seine Felder bewässern, was sein Vater nie getan hätte. Weizen anbauen könne er weiterhin, sagt er, allerdings habe er auf Sorten umgestellt, die widerstandsfähiger sind. Der Boden werde dünner; die Erosion nehme jedes Jahr ein Stück mehr mit.
Dass die Bestände sich verringern, sieht er an der Windschutzscheibe: nach dreissig Kilometern kein einziges Insekt. Den Bach hinter dem Hof habe man in den Sechzigerjahren kanalisieren lassen, gegen die damalige Gefährdung der Häuser; heute fehlt dem Feld genau dieses Wasser.
Vor dem Haus stehen die Behälter. In die Abfalltonne kommt, was die Müllabfuhr dienstags mitnimmt, in die zweite Mülltonne alles, was sich verwerten lässt; daneben wartet seit dem Frühling ein Sofa auf den nächsten Termin für Sperrmüll. Am meisten ärgert ihn die Verpackung: „Für zwei Gurken drei Schichten Kunststoff.“ Plastik, sagt er, sei nicht das Problem der Bauern allein.
Ungerecht findet er vor allem, wie Schuld verteilt wird. Man rechne ihm die Abgase seines Traktors vor und dazu die Massentierhaltung, die er gar nicht betreibe. Wer seine Flüge kompensieren lasse, habe deshalb noch nichts geändert, und der Gestank aus der Biogasanlage werde dadurch auch nicht kleiner.
Wenn die Erdbevölkerung weiter wachse, werde man Grenzen überschreiten – das höre er seit vierzig Jahren. Ein Hagelzug könne eine Ernte in zwanzig Minuten vernichten, dagegen helfe kein Wort. „Umweltfreundlich“ sei für ihn deshalb kein Etikett, sondern die Frage, was am Abend im Eimer liegt.