Erhebungen der letzten Jahre zeigen bei Jugendlichen mehr Angst, mehr depressive Beschwerden und längere Wartezeiten auf eine Behandlung. Ob das an einer Zunahme der Erkrankungen liegt oder daran, dass mehr Betroffene Hilfe suchen, ist wissenschaftlich noch offen.
Beides dürfte zutreffen. Über psychische Gesundheit wird offener gesprochen als vor zwanzig Jahren, was gut ist. Gleichzeitig berichten Fachpersonen von einer Verdichtung des Alltags: Leistungsdruck in der Schule, Vergleiche in sozialen Netzwerken, wenig unverplante Zeit.
Der Einfluss der Bildschirme wird intensiv erforscht, und die Ergebnisse sind differenzierter als Schlagzeilen. Entscheidend scheint weniger die Dauer als der Inhalt: Wer aktiv mit Freunden kommuniziert, profitiert; wer passiv Vergleiche konsumiert, leidet.
In der Versorgung ist die Lücke am grössten zwischen Erkennen und Behandeln. Eine Lehrperson bemerkt Veränderungen früh, hat aber keinen Kanal, und die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt teils Monate. Genau in diesen Monaten verfestigt sich ein Zustand.
Wirksam sind niederschwellige Angebote: Beratung ohne Anmeldung, Gespräche in der Schule, Gruppen für Eltern. Sie ersetzen keine Therapie, verhindern aber, dass jemand allein wartet.
Auffällig ist in allen Studien ein Schutzfaktor, der nichts kostet: mindestens eine verlässliche erwachsene Person, die zuhört, ohne sofort eine Lösung zu verlangen.