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Der Junior im Quartierkino

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Der Junior im Quartierkino

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Das Quartierkino Rex hat 180 Sitze, deren Federn beim Aufstehen knarren. Vierzig Jahre lang hat Anna Brenner es geführt, seit dem Frühling steht ihr Sohn an der Kasse. Der Junior, wie ihn die Stammgäste nennen, hat den Saal nicht umgebaut — noch nicht.

Sein Programm ist kompromisslos: montags ein Krimi, donnerstags ein Horrorfilm, sonntags ein Film für Kinder. Solche Entscheidungen entspringen keiner Marktanalyse, sondern den Notizbüchern seiner Mutter. Wer etwas anderes sehen möchte, muss in die Stadt fahren.

Am Kernpunkt hält er fest: Jede Karte kostet vierzehn Franken, für alle gleich. Diese Gleichheit sei ihm wichtiger als der Umsatz, sagt er lapidar. Das alte Abonnement seiner Mutter behält seine Gültigkeit, und drei Nachbarn besitzen sogar eine lebenslänglich gültige Karte.

An den Horrorabenden sieht man, wofür ein Saal gut ist. Die Zuschauer hüpfen gleichzeitig in ihren Sesseln, ein verspannter Kiefer löst sich im gemeinsamen Lachen. Angst sei irrational, sagt eine Stammgästin, eine Läuferin aus dem Nachbarhaus, und deshalb wolle sie sie nicht allein aushalten.

Ein Berater hat ihm im Juni ein innovativ genanntes Konzept vorgelegt: weisse Wände, kalter Minimalismus, dazu eine Bar, die den Umsatz pro Gast maximieren soll. Wer solchen Rechnungen folgt, gilt schnell als leichtgläubig, dabei stimmen die Zahlen vermutlich. Doch die Kultiviertheit solcher Räume, findet Brenner, macht aus Nachbarn Kunden.

Nach der letzten Vorstellung räumt er selbst den Kehricht zwischen den Reihen weg, wie es seine Mutter getan hat. Diese Kontinuität ist sein einziges Argument. Vor dem Berater kapitulieren möchte er nicht, solange der Saal am Donnerstag voll ist.

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