Die Idee klingt zu gut, um zu funktionieren: vier Arbeitstage statt fünf, derselbe Lohn, dieselbe Leistung. Mehrere Betriebe haben es über Monate getestet und dabei genau gemessen, was sich verändert.
In Büroberufen fielen die Ergebnisse überwiegend positiv aus. Sitzungen wurden kürzer, Absprachen klarer, und Krankheitstage nahmen ab. Vieles davon kam nicht vom freien Tag, sondern von der Notwendigkeit, jede Gewohnheit zu prüfen, die Zeit kostete.
In anderen Branchen ist die Rechnung härter. Wo eine Maschine bedient oder ein Mensch gepflegt werden muss, entsteht Leistung nicht durch besseres Organisieren. Kürzere Arbeitszeit bedeutet dort mehr Personal – und Personal fehlt bereits.
Auch innerhalb eines Betriebs wirkt das Modell ungleich. Wer ohnehin achtzig Prozent arbeitet, gewinnt wenig. Wer Kinder betreut, gewinnt viel. Wer Kundenkontakt hat, muss an vier Tagen erreichbar sein, was den freien Tag schnell wieder öffnet.
Interessant ist eine Zahl aus den Pilotversuchen: Ein grosser Teil der Betriebe blieb nach dem Versuch beim neuen Modell, obwohl niemand dazu verpflichtet war. Für die Rekrutierung erwies sich der freie Tag als wirksamer als eine Lohnerhöhung.
Die Vierstundenwoche wird deshalb kaum flächendeckend kommen. Wahrscheinlicher ist ein Nebeneinander von Modellen – und eine Frage, die bleibt: Ob Produktivität an Stunden gemessen werden soll oder an Ergebnissen.