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Ein Sommer ohne eigenes Auto

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Ein Sommer ohne eigenes Auto

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Als sich meine Tochter in der Fahrschule anmeldete, wollte sie von mir wissen, welches Fortbewegungsmittel ich ihr eigentlich empfehlen würde. Die Frage traf mich zu einem schlechten Zeitpunkt: Ich hatte in derselben Woche beschlossen, mein Kraftfahrzeug zu verkaufen, und konnte kaum erklären, warum.

Zwanzig Jahre lang war ich über die Hauptverkehrsader der Stadt zur Arbeit gefahren. An jeder Kreuzung stand ich still, in jeder Kurve bremste jemand vor mir, und im Stau musste ich alle zehn Meter kuppeln. Wenn ein Fussgänger zu langsam ging, hörte ich hinter mir jemanden hupen. Die Freisprechanlage war das Einzige, was ich an diesem Wagen wirklich vermisse.

Seit April besitze ich eine Jahreskarte. Die Haltestelle liegt drei Minuten von der Haustür entfernt, und der Hauptbahnhof, dieser Knotenpunkt aus Gleisen, Rolltreppen und Ansagen, ist in einer Viertelstunde erreichbar. Wer vom Ausgang Nord geradeaus durch die Fussgängerzone geht, steht schon vor meinem Büro.

Im Juli reisten wir zum ersten Mal ohne Kofferraum. Das Gepäck stand im ICE neben uns, nicht hinter einer Klappe; am Hafen stiegen wir auf die Fähre zur Insel um. Die Kabine war eng, die Überfahrt idyllisch.

Gebucht hatten wir Halbpension; dass die Leihräder inklusive Helm bereitstehen und dass auch der Transfer inbegriffen sein würde, erfuhren wir erst an der Rezeption. Nur meine Lesebrille blieb im Zug liegen und wartet vermutlich bis heute in irgendeinem Fundbüro.

Meiner Tochter habe ich schliesslich geantwortet: Lerne ruhig fahren, aber glaube nicht, dass ein Auto Freiheit bedeutet. Wer am Flughafen eine Stunde auf sein Gepäck wartet oder im Berufsverkehr steht, ist nicht freier als der, der zu Fuss geht. Sie hat die Prüfung inzwischen bestanden — und benutzt meine Jahreskarte.

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