Ein Schulsystem soll Leistung belohnen, nicht Herkunft. Gemessen wird das über den Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand der Eltern und dem Abschluss der Kinder. Dieser Zusammenhang ist in der Schweiz vorhanden, aber nicht so stark wie in manchen Nachbarländern.
Wo entsteht er? Nicht in erster Linie in der Prüfung, sondern vorher und nebenher. Wer zu Hause Bücher, Erklärungen und Nachhilfe zur Verfügung hat, löst dieselbe Aufgabe leichter. Und wer die Schule als Institution kennt, spricht anders mit der Lehrperson.
Ein zweiter Ort ist die Empfehlung beim Übertritt. Sie wird von Leistung bestimmt, aber auch von Einschätzungen: Wie belastbar erscheint ein Kind, wie unterstützend das Elternhaus? Diese Fragen sind nicht böse gemeint und wirken trotzdem ungleich.
Wirksame Massnahmen sind unspektakulär. Frühe Sprachförderung vor dem Kindergarten, Tagesstrukturen mit Aufgabenhilfe, Übertritte, die später korrigiert werden können, und Berufsberatung, die aktiv auf Familien zugeht statt zu warten.
Die duale Berufsbildung wirkt in dieser Frage ausgleichend, weil eine Lehrstelle auch mit mittleren Noten zu einem anerkannten Abschluss führt. Ihre Schwäche liegt bei der Auswahl: Wer zwanzig Bewerbungen schreibt und einen fremd klingenden Namen trägt, wird seltener eingeladen.
Chancengleichheit ist deshalb kein Zustand, der einmal erreicht wird, sondern eine laufende Korrektur. Ein System, das sie nicht regelmässig überprüft, reproduziert leise, was es offiziell abschaffen will.