Als das Institut sein Archiv räumte, tauchten vierzig CD-ROMs auf, beschriftet nur mit einer Jahreszahl und drei Buchstaben. Sie enthielten Aufnahmen einer Handschrift, deren Entzifferung Mitte der neunziger Jahre abgebrochen worden war, weil das Geld ausging.
Bevor die Forscherinnen die Daten auswerten konnten, musste das Original selbst untersucht werden. Die Beschaffenheit des Pergaments, vor allem seine Biegsamkeit, verriet mehr über die Herkunft als jede Randnotiz, zumal Feuchtigkeit und Licht über Jahrhunderte darauf hatten einwirken können.
Schwieriger wurde die Einordnung der Zeichen. Manche Elemente wirken lateinisch, andere gehören zu einer Charakteristik, die man eher aus dem Osten kennt; ein knappes Drittel lässt sich bis heute nicht einordnen. Immerhin zerfällt der Bestand in zwei distinkte Gruppen — die erste gesicherte Entdeckung des Projekts.
Eine Definition des Schrifttyps lehnt die Projektleiterin dennoch ab. Man könne den Zeitraum eingrenzen, sagt sie, doch jede Eingrenzung bleibe vorläufig. Vorerst sei die Arbeit deskriptiv, und eine blosse Deskription sei kein Mangel, sondern die Voraussetzung jeder späteren Deutung.
Inzwischen arbeiten drei Fächer zusammen. Die Etymologie prüft, ob einzelne Wortformen auf eine ältere Entwicklungsstufe der Sprache zurückgehen. Die Ethnologie fragt nach den Gemeinschaften, in deren Alltag das Buch eingebettet war; diese Einbettung zu ergründen sei, so die Leiterin, wichtiger als jede einzelne gelesene Zeile.
Dass die Elaboration der Zeichen gegen Ende deutlich zunimmt, ist die zweite Erkenntnis. Weitere Erkenntnisse werden erst nach der zweiten Handschrift erwartet. Was die Arbeit überhaupt begünstigen konnte, war vor allem die kühle Lagerung im Keller. Mehr wolle sie vorerst nicht elaborieren, sagt die Leiterin.