In vielen Städten stehen Bürogebäude teilweise leer. Nicht weil Unternehmen verschwunden sind, sondern weil dieselbe Firma mit derselben Zahl von Mitarbeitenden weniger Fläche braucht, wenn ein Teil von ihnen zwei Tage zu Hause arbeitet.
Für Eigentümer ist das eine unangenehme Rechnung. Ein Gebäude wurde für zwanzig Jahre Vollbelegung finanziert. Fällt die Nachfrage um ein Fünftel, sinken die Mieten nicht um ein Fünftel, sondern oft stärker, weil zuerst die weniger attraktiven Lagen leer bleiben.
Naheliegend erscheint der Umbau zu Wohnungen, gerade dort, wo Wohnraum fehlt. In der Praxis ist er schwierig: Tiefe Grundrisse ohne Fenster in der Mitte, fehlende Leitungen für Küchen und Bäder, Lärm und Zonenvorschriften, die Wohnen an dieser Lage gar nicht erlauben.
Trotzdem gibt es Beispiele. In einigen Städten wurden obere Geschosse zu Wohnungen umgebaut, während unten Gewerbe blieb. Die Baukosten lagen höher als bei einem Neubau auf leerem Feld – dafür entstanden Wohnungen dort, wo Tram und Schule schon stehen.
Interessant ist eine zweite Entwicklung. Weil Mitarbeitende nur noch für bestimmte Zwecke ins Büro kommen, verändert sich die Fläche selbst: weniger Einzelplätze, mehr Räume für Besprechungen, mehr Orte für konzentriertes Arbeiten in Ruhe.
Der Leerstand ist damit weniger eine Krise als eine Korrektur. Er wirft eine Frage auf, die Städte lange nicht stellen mussten: ob eine Fläche ein Leben lang demselben Zweck dienen soll, nur weil sie dafür gebaut wurde.