Als wir in der Grossstadt unser Apartment kündigten, hielten uns die meisten für leichtsinnig. Dreissig Quadratmeter im vierten Stock, kein Aufzug, dafür ein Balkon, auf dem genau zwei Stühle Platz fanden. Trotzdem wollten wir ausziehen, und zwar noch vor dem Winter.
Das Grundstück am Dorfrand war günstig, weil die Erschliessung fehlte: kein Wasser, kein Strom, statt eines Bürgersteigs ein Feldweg. Das Fundament wurde im März gegossen, die Fassade erst im Oktober verputzt. Dass wir schliesslich erst im November einziehen konnten, hatte allerdings niemand geplant.
Dass ein Haus nicht von selbst gemütlich wird, lernten wir in der ersten Woche. Der Flur war dunkel, im Keller roch es dumpf, und die Einrichtung bestand aus einer geliehenen Couch, einem Fernseher auf zwei Kisten und sehr viel Platz dazwischen.
Vieles, was in der Wohnung selbstverständlich gewesen war, kostet hier plötzlich Zeit. Das Geschirr abwaschen, während draussen der Garten wartet. Ein Handtuch suchen, das noch in einem Umzugskarton liegt. Den Zähler im Technikraum selbst ablesen, weil keine Verwaltung mehr die Abrechnung übernimmt.
Unser Nachbar, ein pensionierter Schreiner, hat uns beim Streichen der Garage geholfen. Nichts zu beschädigen war ihm dabei wichtiger als jedes Tempo — geschafft haben wir es dennoch nicht: Ein Fleck an der frischen Wand erinnert bis heute an diesen Nachmittag. Er sagt, so etwas gehöre dazu.
Die letzten Kisten werde ich irgendwann aufräumen, vielleicht im Frühling. Der Briefkasten steht inzwischen an der Strasse, und wenn abends im Flur das Licht brennt, gefällt mir sogar der Gang, den wir anfangs so düster fanden.