In Lohnverhandlungen geht es traditionell um Prozente. Zunehmend verlangen Angestellte etwas anderes: Ferientage, kürzere Wochen, ein Sabbatical. Für Betriebe ist das interessant, weil Zeit anders wirkt als Geld – sie schafft keine dauerhaften Fixkosten im gleichen Sinn.
Ökonomisch ist die Rechnung nicht trivial. Eine Woche mehr Ferien kostet rund zwei Prozent der Arbeitszeit, also ungefähr so viel wie eine Lohnerhöhung von zwei Prozent, sofern die Arbeit nicht liegen bleibt. Genau dieses „sofern“ entscheidet.
Wo Arbeit liegen bleibt, entsteht ein Problem, das später auftritt. Mitarbeitende nehmen Ferien nicht, Überstunden sammeln sich, und am Ende ist ein Anspruch auf Papier vorhanden, den niemand einlösen kann. Ein Modell taugt nur, wenn Vertretungen geregelt sind.
Untersuchungen zur Zufriedenheit zeigen ein klares Muster. Der Nutzen einer Lohnerhöhung nimmt mit steigendem Einkommen ab; der Nutzen von Zeit tut das nicht. Wer wenig verdient, braucht jedoch das Geld – und Zeit ist für ihn ein Luxus, den er nicht wählen kann.
Interessant sind darum Modelle mit Wahl. Ein Betrieb legt einen Betrag fest und lässt die Person entscheiden, ob sie ihn als Lohn, als Ferientage oder als Beitrag an die Vorsorge erhält. Die Verteilung solcher Entscheide verläuft erwartungsgemäss entlang der Lebensphasen.
Der Satz „Zeit ist Geld“ stimmt deshalb nur in einer Richtung. Geld lässt sich sparen und später verwenden; eine Woche mit einem fünfjährigen Kind lässt sich nicht aufbewahren.