Die meisten Menschen möchten im Alter in der eigenen Wohnung bleiben. Diese Absicht trifft auf eine Versorgung, die historisch auf Heime ausgerichtet war, und auf Familien, die kleiner und weiter verstreut sind als früher.
Die Rechnung ist nicht eindeutig. Betreuung zu Hause ist günstiger als ein Heimplatz, solange der Bedarf begrenzt bleibt. Ab einem bestimmten Punkt – nachts, bei Demenz, bei mehreren Einsätzen pro Tag – kehrt sich das Verhältnis um.
Entscheidend ist, wer die unbezahlte Arbeit leistet. Angehörige übernehmen einen erheblichen Teil der Pflege, meist Frauen zwischen fünfzig und siebzig. Ihre eigene Erwerbsarbeit reduzieren sie dafür, was Jahrzehnte später ihre Rente senkt.
Mehrere Kantone haben darum Entlastungsangebote aufgebaut: Tagesstrukturen, Kurzaufenthalte für ein oder zwei Wochen, Beratung für Angehörige. Diese Angebote sind billiger als eine Erschöpfung, die zu einem Notfall führt.
Baulich fehlt oft das Naheliegende. Eine Wohnung ohne Schwellen, mit einem Lift und einer Dusche ohne Rand erlaubt Jahre zusätzlicher Selbständigkeit. Solche Anpassungen kosten wenig, wenn sie beim Bau mitgedacht werden, und viel, wenn nachträglich umgebaut wird.
Am Ende ist „zu Hause alt werden“ keine rein medizinische Frage. Es ist eine Frage der Wohnung, des Quartiers und davon, ob jemand merkt, wenn der Vorhang zwei Tage geschlossen bleibt.