Die Schweiz hat eines der strengeren Tierschutzgesetze. Trotzdem stammt ein erheblicher Teil des konsumierten Fleisches, der Eier und der Futtermittel aus dem Ausland, wo andere Regeln gelten. Der Tierschutz endet damit häufig an der Grenze – der Konsum nicht.
Dieses Auseinanderfallen erklärt einen Teil der Debatten. Wer hier höhere Standards verlangt, verteuert die Produktion und verschiebt die Nachfrage zu Importen, sofern diese nicht denselben Anforderungen unterliegen. Deklaration allein genügt selten, weil Preise stärker wirken als Etiketten.
Beim Konsumverhalten zeigen Erhebungen eine bekannte Lücke. In Befragungen wird Tierwohl hoch gewichtet, im Laden entscheidet der Preis. Diese Differenz ist kein Beweis für Verlogenheit: Eine Kaufentscheidung fällt in zehn Sekunden, eine Haltung in einem Gespräch.
Wirksam sind darum Änderungen im Angebot. Wenn ein Betrieb Eier aus Käfighaltung nicht mehr führt, entscheidet niemand mehr darüber – die Entscheidung ist schon gefallen. Mehrere Handelsketten haben das getan, ohne Umsatz zu verlieren.
In der Landwirtschaft hängt viel an der Bezahlung. Wer Tiere mit mehr Platz und Auslauf hält, hat höhere Kosten pro Kilo. Solange Direktzahlungen und Preise dies nicht abbilden, ist gute Haltung ein wirtschaftliches Risiko für den Betrieb.
Vielleicht ist die nützlichste Frage nicht die moralische, sondern die praktische: Welcher Preis für ein Kilo Fleisch enthält die Kosten einer Haltung, die man sich anschauen kann, ohne wegzusehen?