Die Quote der Jugendlichen, die eine Maturität erwerben, liegt in der Schweiz tiefer als in vielen vergleichbaren Ländern. Dieser Befund wird regelmässig als Rückstand gelesen – und ebenso regelmässig als Stärke verteidigt.
Wer von einem Rückstand spricht, verweist auf die Hochschulen: Eine Wirtschaft, die Forschung betreibt, braucht Absolventinnen. Wer von einer Stärke spricht, verweist auf die Berufsbildung: Zwei Drittel lernen einen Beruf, und die Jugendarbeitslosigkeit ist entsprechend tief.
Ein Vergleich von Quoten führt jedoch in die Irre, solange die Systeme nicht vergleichbar sind. Die Berufsmaturität und die Fachhochschulen erlauben Wege in ein Studium, die in anderen Ländern nur über das Gymnasium führen. Gezählt wird also Verschiedenes.
Entscheidender als die Quote ist die Frage, wer sie erreicht. Statistiken zeigen, dass die Herkunft des Elternhauses den Übertritt stärker beeinflusst als die Leistung in der Prüfung. Bei gleichen Noten treten Kinder von Akademikern häufiger über.
Damit verschiebt sich die Aufgabe. Nicht die Zahl muss steigen, sondern die Durchlässigkeit: Übertritte später möglich machen, Brückenangebote finanzieren, Berufsmaturität aufwerten und Eltern früh und verständlich informieren.
Das schweizerische System hat einen echten Vorzug, der in der Quotendebatte untergeht. Es gibt selten eine endgültige Tür. Gefährlich ist nur, wenn die Türen zwar existieren, aber niemand sagt, wo sie sind.