In vielen Städten stehen Ladenflächen leer, während die Zahl der Pakete steigt. Der Onlinehandel hat nicht einfach Umsatz verschoben; er hat verändert, wozu jemand in ein Zentrum fährt.
Am stärksten betroffen sind Geschäfte, deren Angebot vergleichbar und standardisiert ist: Elektronik, Bücher, Kleidung in gängigen Grössen. Wo Beratung, Anpassung oder unmittelbare Verfügbarkeit zählen, bleibt der Laden im Vorteil.
Interessant ist der Zusammenhang zwischen Frequenz und Mischung. Ein Zentrum, das nur Geschäfte enthält, verliert bei sinkendem Einkauf jede Anziehung. Ein Zentrum mit Werkstätten, Praxen, Schulen, Restaurants und Wohnungen bleibt belebt, weil Menschen aus mehreren Gründen kommen.
Städte reagieren mit Instrumenten, die unspektakulär klingen: Zwischennutzungen für leere Flächen, Vorgaben zur Nutzungsmischung in neuen Bauten, weniger Durchgangsverkehr, mehr Sitzbänke und Schatten. Aufenthaltsqualität ist zu einem harten wirtschaftlichen Faktor geworden.
Für Händler selbst hat sich die Rolle gedreht. Erfolgreiche Läden verkaufen nicht nur Waren, sondern Wissen, Reparatur und Zeit. Eine Werkstatt, die Velos flickt, ist schwerer zu ersetzen als ein Regal mit Kartons.
Die Innenstadt wird deshalb nicht verschwinden, aber sie hört auf, in erster Linie ein Verkaufsraum zu sein. Was daraus wird, entscheidet sich weniger im Handel als in der Planung der Erdgeschosse.